Über Fronleichnam durfte ich etwas erleben, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: Ich war mit einer Gruppe erfahrener Bergsteiger im Tannheimer Tal unterwegs. Für sie war es Routine — für mich war alles neu.
Schon beim Packen meines Rucksacks war ich unsicher: Habe ich alles dabei? Bin ich richtig vorbereitet? Auf der Hütte stellte ich mir dann die Frage, wie man sich verhält. Und auf dem Weg zum ersten Gipfel tauchte die nächste Frage auf: Schaffe ich das überhaupt?
Der erste Aufstieg war steil, warm und schweißtreibend. Mit jedem Schritt, den ich langsamer wurde, wuchs meine Sorge: „Bin ich eine Last für die Gruppe?“ Aber anstatt ungeduldig zu werden, reagierte die Gruppe sofort: Sie fragten nach, boten Hilfe an, passten ihr Tempo an. Diese Haltung gab mir Sicherheit — und die Motivation, über mich hinauszuwachsen.
Am Ende der Tour hatte ich nicht nur mehrere Gipfel bestiegen, sondern auch das Vertrauen gewonnen, es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Und das, weil ich eingebettet war in ein Team, das wusste: Wir kommen nur gemeinsam an.
Was macht eingespielte und zugewandte Teams so besonders?
Teams, die wie eine Seilschaft funktionieren, leben zwei entscheidende Qualitäten:
- Eine klare Haltung: Alle Mitglieder teilen die Überzeugung, dass es normal ist, Fehler zu machen, Fragen zu stellen und unterschiedlich schnell zu lernen. Es wird nicht bewertet, sondern unterstützt.
- Ein starkes Commitment: Jeder übernimmt Verantwortung für den anderen. Erfahrene Teammitglieder geben ihr Wissen weiter. Alle achten darauf, dass keiner zurückbleibt — ohne zu moralisieren oder mit dem Finger auf Schwächen zu zeigen.
Diese Haltung schafft psychologische Sicherheit, die Grundlage dafür, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können. Sie trauen sich, ihre Grenzen zu verschieben, Neues auszuprobieren, zu scheitern — und wieder aufzustehen.
3 Dinge, die wir daraus lernen können
Die Bergsteiger-Erfahrung zeigt:
Haltung ist nicht verhandelbar.
Wenn neue Teammitglieder das Gefühl haben, sie müssen funktionieren, bevor sie verstanden haben, wie „der Berg“ aussieht, blockieren sie ihre Entwicklung.
Commitment ist mehr als ein nettes Wort.
Echte Integration braucht den aktiven Einsatz aller. Es reicht nicht, Neulinge ins kalte Wasser zu werfen.
Lernen ist ein Gemeinschaftsprozess.
Auch erfahrene Teammitglieder entwickeln sich weiter, wenn sie Wissen teilen und neue Perspektiven zulassen.
Oft werden diese Aspekte dennoch übersehen
Manchmal wird Einarbeitung als Pflichtprogramm verstanden: „Wir zeigen dir schnell die Tools — jetzt mach!“ Dabei geht es um viel mehr:
- Sozialer Anschluss: Neue Kolleg*innen brauchen mehr als einen Onboarding-Plan. Sie brauchen Beziehungen, Vertrauen und informelle Kontakte, um Teil der Gruppe zu werden.
- Fehlerkultur: Fehler sollten als Lernschritte sichtbar gemacht werden. Das geht nur, wenn auch erfahrene Kolleg*innen transparent mit ihren eigenen Lernkurven umgehen.
- Ressourcen: Gute Einarbeitung kostet Zeit. Wer sie nicht bewusst einplant, riskiert Überforderung auf beiden Seiten.
So können konkret deine nächsten Schritte als Unternehmer und Führungskraft aussehen:
1. Schaffe eine klare „Team-Seilschaft-Kultur“
- Sprecht im Team regelmäßig darüber, wie ihr miteinander umgeht, wenn jemand neu ist oder unsicher wird.
- Macht explizit, dass Fehler willkommen sind und Nachfragen geschätzt werden.
- Nutzt kurze Retros: Was hat uns diese Woche stärker gemacht? Wo haben wir uns gegenseitig unterstützt?
2. Macht Onboarding zu einem Gemeinschaftsprojekt
- Bestimmt Teammitglieder, die gezielt als Mentor*innen oder „Bergführer*innen“ für Neulinge da sind — mit klarer Zeitplanung.
- Verbindet Einarbeitung mit Teamentwicklung: Teilt Erfahrungswissen, reflektiert Prozesse und ladet auch erfahrene Kolleg\*innen ein, Routinen zu hinterfragen.
- Feiert kleine Erfolge! Gemeinsam bewältigte Herausforderungen schweißen zusammen.
Fazit: Gemeinsam mehr erreichen
Ein starkes Team ist wie eine gute Bergsteigergruppe: Es lebt von Achtsamkeit, gegenseitigem Vertrauen und der Überzeugung, dass man nur gemeinsam ans Ziel kommt. Haltung und Commitment sind dabei keine „Soft Skills“, sondern die Basis für jede ambitionierte Aufgabe — egal ob am Berg oder im Büro.
Frage an dich:
Wie kannst du in deinem Team heute schon den nächsten Schritt gehen, damit ihr gemeinsam sicher neue Gipfel erreicht?
Antworte mir gerne in den Kommentaren oder schreibe mir eine E-Mail an anjapeters@diegoldader.de, ich bin neugierig auf deine Erfahrungen.